1945, Inland-Luftpostbrief aus Chungking nach Kunming mit seltenem Luftpoststempel

1945, Inland-Luftpostbrief vom 12.6.1945 aus Chungking 重慶市 (heute: Chongqing) nach Kunming 昆明 mit seltenem Luftpoststempel. Der Brief zeigt eine schöne Mehrfachfrankatur der 2,00 Dollar „Dr. Sun Yat-sen“ (Chungking Dah Tung Druck) und einen violetten Gummi-Stempel „AIR MAIL“, welcher nicht im Stempelkatalog von Paul Ke-shing Chang gelistet ist.

Der Empfänger, Anthony O. Stickings, arbeitete zwischen 1941-46 als Vollmitglied für die „Friends Ambulance Unit“ (FAU) in Kunming. Die FAU war ein Rettungsdienst bestehend aus lauter Freiwilligen, meist Quäker, die seit dem Ersten Weltkrieg weltweit in Krisen- und Kriegsgebieten als Krankenfahrer und Sanitäter eingesetzt wurden.

Mit dem Beginn des Chinesisch-Japanischen Krieges (1937-45) und dem damit einhergehenden Verlustes der chinesischen Hafenstädte verschlechterte sich die Versorgungslage der Chinesen im Freien China zusehends. Um eine bessere Versorgung von außen sicherzustellen, begann die chinesische Regierung mit dem Bau der „Burma Road“ (dt. Burmastrasse). Unter den widrigsten Umständern bauten zwischen 1937 und 1938 über 200.000 Chinesen mitten durch das unwegsame Gebirge eine 1.154 Kilometer lange Strasse von Kunming bis nach Burma, damals eine britische Kolonie, über welche Rohstoffe, Hilfsgüter und Nachschub aller Art nach China transportiert wurden. Erst 1942 gelang es den Japaner Burma unter Kontrolle zu bringen, so dass eine Versorgung des Freien Chinas nur noch auf dem Luftweg über den Himalaya möglich war (siehe “Over The Hump”).

Jedoch fehlte es den Chinesen an LKW-Fahrern. Daher begannen sie 1939 Männer und Frauen aus den asiatischen Nachbarländern zu rekrutieren. Einen Großteil der über 3.000 Asiaten brachte ein buddhistischer Mönch das LKW-Fahren bei – Pu Liang, welcher später von den Japanern exekutiert wurde.

Aufgrund des hohen Bedarfs an LKW-Fahrern wurden auch die Freiwilligen der FAU als Versorgungsfahrer im sog. „China Convoy“ eingesetzt, welcher medizinische Hilfsgüter über die „Burma Road“ nach Kunming fuhr.

Als Burma und damit ein Teilstück der „Burma Road“ den Japanern in die Hände fiel, flohen viele Freiwillige nach Indien und China, wo sie sich neu gruppierten und die Lieferung der medizinischen Versorgungsgüter nach Kunming über die Luftbrücke „Over The Hump“ organisierten. Über 80 Prozent aller medizinischer Hilfsgüter für China wurden durch die Freiwilligen der FAU verteilt.

Als Ersatzroute begann man im Dezember mit dem Bau einer neuen Versorgungsroute durch das Gebirge: Die „Ledo Road“, auch „Stilwell-Road“ genannt.

Arbeiter beim Bau der "Ledo Road" (Quelle: Wikipedia)
Arbeiter beim Bau der „Ledo Road“ (Quelle: Wikipedia)

 

EinTeilstück der „Ledo Road“ in China:. This section of the Burma road, taken by U.S. Army Signal Corps photographer in the China-Burma-India Theater, contains 24 switchbacks. June, 1944 U.S. Army Signal Corps Photo BPA 2 #4164 (Quelle: gettyimages)

 

Die ersten US-LKW’s fahren über eine Brücke der „Ledo Road“, 1945. Full-length view of the first convoy of US trucks crossing Bailey Bridge on its way to China from India via the Ledo-Burma Road, south of Bhamo, Burma, World War II. (Photo by Hulton Archive/Getty Images)

 

Im Laufe der Zeit erweiterte die FAU ihre Hilfeleistungen half beim Wiederaufbau von Krankenhäusern, bot medizinische Behandlungen an und schulte das medizinische Personal vor Ort.

Neben den asiatischen Helfern waren viele Freiwillige aus dem westlichen Ausland. Sie kamen aus Großbritannien, den USA, Kanada, Neuseeland und anderen Ländern. Acht von ihnen starben und andere wurden dauerhaft gesundheitlich geschädigt.

 

Das Briefporto setzt sich wie folgt zusammen: 2,00 Dollar für den Landweg + 2x 3,00 Dollar Luftpostzuschlag (2x 10 Gramm) = 8,00 Dollar.

Portoperiode: 1.5.1944 – 1.10.1945.

Ankunftsstempel: 13.6.45 Kunming.

 

Für weitere historische Hintergrundinformationen sei hier folgender englischsprachiger Blog empfohlen: Link zum Blog.